Priorität: Es kann nur eine geben!

10. Dez 2021 | Artikel | 0 Kommentare

Prioritäten? Von wegen! Es kann nur eine geben. Eine einzige Priorität ist genau das, was du brauchst, um dich im Leben nicht zu verlaufen. Sie ist der Kompass, der dich zu mehr Klarheit führt.

Das große Einhornsterben

Wie oft hörst du, sagst du, liest du, dass jemand die richtigen Prioritäten setzen muss oder seine Prioritäten kennen sollte? 
Jedes Mal, wenn jemand von Prioritäten im Plural spricht, stirbt ein Einhorn.

Es gibt nicht mehrere Prioritäten – es kann nur eine geben. Das gibt das Wort vor. „Priorität“ kommt vom lateinischen prior, der Vordere, der Erste. Und: Wie viele Erste gibt es normalerweise? Genau. Einen. Entweder du bist Weltmeister – oder du bist es nicht.

Versteh mich nicht falsch, rein sprachlich ist „Prioritäten“ heutzutage korrekt. Der Duden kennt das Wort. Es ist nur einfach inhaltlich Quatsch. Leider ist das Wort irgendwann in Mode gekommen. Es ist hip und trendy, PrioritätEN zu haben. Im Geschäftsalltag wird ständig priorisiert. jemand macht irgendwas zu seiner obersten Priorität (von vielen) und selbst der Haushalt kommt nicht mehr ohne Prio-Liste aus. Das Einhornsterben nimmt seinen Lauf.

Was ist dir wirklich wichtig?

Das Problem mit all den Prioritäten ist kein grammatikalisches. Fakt ist, wenn wir nicht wissen, was für uns wirklich, wirklich zählt, verlaufen wir uns. Wir zerreißen uns zwischen unseren Pflichten, unseren Wünschen, den Anforderungen der Welt. Wir verlieren uns in tausend Kleinigkeiten und kommen nicht vom Fleck. Das saugt Energie und macht unglücklich.

Deshalb könnte es doch eine gute Idee sein, sich mal auf den eigentlichen Wortsinn zu berufen und genau EINE Priorität festzulegen. Nicht zwei und nicht zwanzig, sondern eine. Was ist für dich so groß, so wichtig, so heilig, dass sich alles andere hinten anstellen muss? Familie? Job? Gesundheit? Hobby? Kacke, das ist doch alles irgendwie wichtig. Ja, ist es und darf es sein. Was dir nicht wichtig ist, hat in deinem Leben eh nichts zu suchen.

Ich würde dich gerne ermutigen, deine Priorität zu benennen. Die musst du nicht finden und die kommt auch nicht durch Erleuchtung. Die kommt von dir. Du machst etwas zur Priorität. Nicht zur obersten, sondern zur einzigen. 

Es. Kann. Nur. Eine. Geben.

Schreib vielleicht mal auf, was dir gerade wichtig ist, was dich stört, was du ändern möchtest, was dringend erledigt werden muss. Und dann streich alles, was DIR nicht wichtig ist. Sind dir die hundert unbearbeiteten Mails wichtig oder willst du sie nur beantworten, weil du das musst? Willst du wirklich Sport machen oder willst du nur im Bikini/Mankini eine gute Figur machen?
Sei ehrlich zu dir selbst und schreib das auf, was wirklich ist. Finde auch heraus, was für dich hinter den banalen Pflichten steht, die du meinst, tun zu müssen. Warum sind die vielleicht wichtig?

Scheiß auf dein Warum!

Wenn dich deine Priorität jetzt noch nicht anspringt, kannst du die Dinge, die dir wichtig sind, hinterfragen. Bitte nicht mit dem dämlichen „Warum?“. Ich weiß nicht, wer mit diesem „Finde dein Warum“-Quatsch angefangen hat. (Ich bin auch drauf reingefallen.) Dein Warum liegt irgendwo hinter dir. Du willst abnehmen? Warum? Weil du dich fett fühlst? Warum? Weil die Kinder in der dritten Klasse dich Moppelchen genannt haben.

Geil. Glückwunsch.

Bis mir was Besseres eingefallen ist, ermutige ich dich zu „Wofür?“. Wofür liegt vor dir, wofür weist in die Zukunft. Du willst abnehmen? Wofür? Damit du nächsten Sommer im Mankini unwiderstehlich aussiehst? Wofür? Damit die Süße von der Schwimmbadkasse sich endlich in dich verliebt. Ahaaaa! Ob sie das tut oder nicht, werden wir wohl nie erfahren. Aber du hast jetzt schon mal eine grobe Ahnung, wofür du eigentlich ins Fitnessstudio gehen wolltest.

Sobald du eingegrenzt hast, was dir alles wichtig ist, kannst du daraus deine Priorität stricken. Vielleicht ist es wirklich nur der sexy Mankini-Traumkörper. Dann hau rein und gib alles! Wahrscheinlich sind es aber mehrere Dinge, die irgendwie unter einen Hut gebracht werden wollen. Die Familie, dein Hobby, die gruseligen Cholesterinwerte. Geld wahrscheinlich nicht. Neeeeein, Geld ist dir gar nicht wichtig, schon klar. Verarsch dich nicht. Um im Fitnessstudio für deinen sexy Mankini-Body zu trainieren, musst du das Fitnessstudio erstmal bezahlen können. Und das geht mit … äh … Geld.

Geld ist verdammt wichtig. Ohne Geld kein Hundefutter.

Deine Aufgabe

Du darfst so viele Punkte in deine Priorität aufnehmen, wie du willst. Sie müssen nur alle in einen Satz passen, den du dir merken kannst. Nicht schummeln. Ich finde deine Telefonnummer raus, ruf dich nachts um drei an und schrei ins Telefon: „Wie viele Prioritäten hast du gottverdammt? Raus damit!“
Und dann will ich einen Satz hören, der mit „Die einzige Priorität in meinem Leben ist …“ beginnt. Auswendig. Was nimmst du in diesen Satz auf?

„Die einzige Priorität in meinem Leben ist mein heißer Mankini-Traumkörper.“
Fein. Kriegst nen Diätkeks.

Mein Satz lautet aktuell „Die einzige Priorität in meinem Leben ist, dass wir (=die Hunde und ich) glücklich, frei und sicher sind und aus jedem Tag das Beste machen.“ Stinklangweilig, ich weiß. Kein Reichtum und Ruhm, kein Traumkörper, keine Abenteuer. Denkste!

Für mich persönlich steckt da ganz viel drin. Freiheit und Sicherheit haben nämlich durchaus was mit Finanzen zu tun. Und aus jedem Tag das Beste machen, heißt auch, Abenteuer erleben (sich im Wald verlaufen zum Beispiel, siehe Social Media Post ….). Es heißt aber auch, regelmäßig das Bad zu putzen, damit ich mich morgens beim Zähneputzen schon wohlfühle. Und es heißt auch, dass ich mich um meine Gesundheit und Fitness kümmere (siehe Journal von letzter Woche), damit ich nicht als körperliches Wrack ende. Ja, das sind jede Menge wichtige Dinge – und trotzdem eine klare Priorität.

Der Kompass

Eine Priorität ist kein konkretes Ziel. Eine Priorität ist ein Kompass, der die generelle Richtung vorgibt. Wenn du deine Priorität kennst, zeigt deine Kompassnadel immer schön in die gleiche Richtung. Ohne den Startpunkt zu kennen, ohne eine Route zu berechnen. Du hast EINE Richtung vor dir, in die dein Leben verlaufen soll, und du kannst dieser Richtung folgen.

Wenn du 26 Prioritäten von A wie Auto finanzieren bis Z wie Zahnseide benutzen hast, dreht sich deine Kompassnadel wie irre im Kreis. Du weißt nicht, in welche Richtung du gehen sollst und trittst letztlich auf der Stelle. Du verschwendest jeden Tag Energie in irgendwelchen kleinen Soll-ich-oder-soll-ich-nicht-Mindfuck.

Hast du eine einzige Priorität benannt, wird die ganze Kacke einfacher und klarer. Du hast ein Tool, mit dem du gute Entscheidungen treffen kannst. Chips oder Muckibude? Eins liegt in der Richtung, in die die Kompassnadel zu deiner Zukunft als Mankini-Model zeigt. Eins liegt etwas abseits und bedeutet einen Umweg. Umwege können gut sein, ohne Umwege macht das Leben viel weniger Spaß – aber es sind eben Umwege, die hinterher womöglich eine Kurskorrektur nötig machen. Deine Entscheidung.

Nochmal zurück zu meiner Priorität, das ist vielleicht praxisnäher als der Mankini. Wenn meine Priorität ganz einfach lautet, glücklich, frei und sicher zu sein und aus jedem Tag das Beste zu machen, habe ich einen bombensicheren Gradmesser für meine Entscheidungen.

Jobangebot: Würde dieses Projekt mein Leben glücklicher, freier, sicherer machen? Oder würde es mich wahrscheinlich nur jede Menge Nerven kosten? (Bauchgefühl, Baby. Nicht totdenken.)
Blog schreiben oder im Wald rumziehen: Welche Option ist das Beste, was ich aus diesem Tag machen kann? (Es regnet, also heute Blog schreiben und morgen im Wald rumziehen.) [Edit, 2 Stunden später: Draußen ist alles weiß, wir müssen SOFORT Schneeflocken jagen gehen!!!]
Ein Mopped kaufen? (Ja, Mann. Dinge auf Rädern machen glücklich.)

So ungefähr sieht meine Priorität aus.

Du weißt doch, was dir wichtig ist!

Ich mutmaße ja, dass die meisten Menschen da draußen (Du?) im Grunde sehr genau wissen, was ihnen wichtig ist, wenn sie erst mal ein paar Zwiebelschichten runtergeschält haben. Aber … darf man das denn sagen, dass einem das eigene Glück wichtiger ist als der Weltfrieden? JA! An deinem Glück kannst du ganz direkt was ändern. Auf den Weltfrieden hast du nur sehr bedingt Einfluss. Und was sollen denn die Leute denken, wenn mir die Familie wichtiger ist als die Arbeit? Oder beruflicher Erfolg wichtiger als der Fernsehabend mit den lieben Kleinen? Tja, tough shit! Lass die Leute doch denken, was sie wollen. Tun sie eh.

Du hast vielleicht nur dieses eine Leben und du musst entscheiden, in welche Richtung es geht. Sonst tun es andere für dich.

Ich wünsch dir ganz viel Spaß dabei, deine Priorität in einem Satz zu benennen. Wenn du soweit bist, schreib sie gerne hier als Kommentar drunter. Kannst nen Fake-Namen angeben oder deine Telefonnummer dazuschreiben, falls du mal nachts um drei angebrüllt werden willst.

Weiterlesen? Vielleicht ist hier was dabei, das dich interessiert.

journal#18

Fantasie und Selftalk: Stell dir vor, die Zukunft würde gut werden. Wieso? Weil du ihr damit die Chance dazu gibst und obendrein deine Gegenwart besser machst.

journal#43

Happy Halloween! Sommerende. Alles zieht sich zurück. Gute Zeit für etwas Besinnung auf dich selbst und die Frage, wie du sein willst.

journal#13

Die Top 2 schlechtesten Gewohnheiten, mit denen du dir alles kaputtmachen kannst. Stell sie ab und staune, was passiert. Echt jetzt. Plus: neues Journal-Design.